Erbschaft verwalten

Eine Erbschaft verwalten: Mit diesem sensiblen Thema befassen sich viele Menschen nur sehr ungern. Niemand denkt gerne über Themen wie den Tod, Sterben, Testament schreiben oder Patientenverfügung nach. Dennoch ist es wichtig, sich zu Lebzeiten Gedanken über seinen letzten Willen sowie die Absicherung der Hinterbliebenen zu machen. Lesen Sie erste Informationen und Details zur gesetzlichen Erbfolge, zur Erbschaftssteuer oder zur Ausgestaltung eines Testaments.

Vererben

Wer sein Vermögen in den richtigen Händen wissen möchte, sollte sich rechtzeitig Gedanken um seine Erbschaft und ein Testament machen. Mit einer gut geregelten Vermögensnachfolge lassen sich Streit und Ärger vermeiden. Ihre Volksbank Raiffeisenbank entwickelt gemeinsam mit Ihnen eine Strategie, die es Ihnen ermöglicht, Ihren Nachlass zu gestalten. So stellen Sie sicher, dass Ihr Vermögen ganz in Ihrem Sinne und ohne Familienstreitigkeiten an Ihre Erben übergeben wird.

Erbschaft - Erben & Vererben: Verständlich erklärt von den Volksbanken Raiffeisenbanken

Die Möglichkeiten der Erbschaft

Informieren Sie sich ausführlich über die wichtigsten Grundlagen beim Erbrecht, wenn Sie selbst über Ihre Erbschaft bestimmen möchten. Es besteht zum Beispiel die Möglichkeit, den letzten Willen in einem Testament oder in einem Erbvertrag festzuhalten. Zudem gibt es eine gesetzliche Erbfolge. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, ob es zu einer steuerlichen Belastung der Erben kommt, die früh genug bedacht werden sollte.

Der Erbfall

Mit dem Tod eines Menschen tritt der Erbfall ein. Das gesamte Vermögen des Verstorbenen geht dann auf den oder die Erben über. Hierzu zählen allerdings auch Verbindlichkeiten des Erblassers. Bei einer Erbschaft tritt der Erbe also aus rechtlicher Sicht die Vermögensnachfolge des Verstorbenen an. Wer nicht mit seinem eigenen Hab und Gut für die Schulden des Verstorbenen einstehen möchte, kann beim zuständigen Nachlassgericht die Haftung für die geerbten Schulden auf die Erbmasse beschränken.

Vorsorge im Todesfall hilft Streitigkeiten zu vermeiden

Wer erbt, regelt zunächst die gesetzliche Erbfolge. Diese ist allerdings unveränderlich. Um von der gesetzlichen Erbfolge abzuweichen und die Erbschaft nach den eigenen Wünschen und Vorstellungen aufzuteilen, müssen Sie eine individuelle Regelung der Vermögensnachfolge treffen. Das ist mit einem Testament oder einem Erbvertrag möglich. Auf diese Weise können Sie schon zu Lebzeiten Ihre Erbschaft verwalten. Ihre Volksbanken Raiffeisenbanken helfen Ihnen dabei, für alle Angelegenheiten die richtigen Ansprechpartner zu finden.

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Angehörige absichern

Nicht nur ältere Menschen, auch junge Leute können jederzeit durch eine schlimme Krankheit oder einen Unfall sterben. Vor diesem Hintergrund sollten Sie schon frühzeitig darüber nachdenken, wie die Absicherung der Hinterbliebenen nach einem Todesfall erfolgen kann. Vor allem für junge Familien mit kleinen Kindern kann die Absicherung der Angehörigen existenziell sein.

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Finanzielle Zukunft der Angehörigen sichern

Stirbt der (Haupt-)Versorger in der Familie, kann das oft weitreichende finanzielle Konsequenzen für die Hinterbliebenen haben. Nicht selten stehen nach einem Todesfall sogar ganze Existenzen auf dem Spiel. Denn die Zahlungen für das Eigenheim oder das Auto laufen weiter und müssen beglichen werden. Vor allem junge Familien sollten sich finanziell gut absichern, um Kredite und andere Verpflichtungen weiter bedienen zu können. Eine Risikolebensversicherung kann nach einem Todesfall zumindest den finanziellen Verlust ausgleichen.

Gute Vorsorge schützt vor finanziellen Sorgen

Eine gute Absicherung im Todesfall ist nicht nur für den Hauptverdiener und für Familien wichtig. Auch Unverheiratete sollten füreinander vorsorgen, denn sie erhalten vom Staat keine Unterstützung nach dem Tod des Partners. Eine Hinterbliebenenabsicherung lohnt sich ebenso für Hausfrauen und -männer. Hat der Verstorbene sich vorher um die Versorgung der Kinder und die Führung des Haushalts gekümmert, muss dies nun durch den Partner aufgefangen werden. Das heißt, er oder sie muss entweder weniger arbeiten oder jemanden für die häuslichen Tätigkeiten einstellen. Beides hat finanzielle Folgen.

Sterbegeldversicherung und Kontovollmacht

Nach einem Todesfall kommen viele Kosten auf die Angehörigen zu – oft noch vor der Testamentseröffnung. Diese können unter Umständen zur finanziellen Belastung werden. Eine private Sterbegeldversicherung deckt die Bestattungskosten und kann den Hinterbliebenen damit eine große Last nehmen. Eine weitere sehr nützliche Vorkehrung ist die Erteilung einer Kontovollmacht über den Tod hinaus an eine Person Ihres Vertrauens. Auch mit dieser Form der Vorsorge können Sie Ihre Angehörigen finanziell entlasten.

Vorsorgevollmacht für den Ernstfall

Haben Sie sich schon Gedanken darüber gemacht, wer für Sie die Entscheidungen treffen soll, wenn Sie irgendwann nicht mehr dazu in der Lage sind? Krankheit, Unfall und Tod können jeden unabhängig vom Alter jederzeit treffen. Um sicherzugehen, dass Ihre Angelegenheiten in Ihrem Sinne geregelt werden, ist eine Vorsorge für den Ernstfall wichtig. Eine Vorsorgevollmacht befähigt eine von Ihnen ausgesuchte Vertrauensperson dazu, Entscheidungen stellvertretend für Sie zu treffen oder Verträge zu schließen.

Die Patientenverfügung

Die Patientenverfügung regelt die ärztlichen Maßnahmen, die eingeleitet werden dürfen, wenn Sie selbst nicht mehr in der Lage sind, entsprechende Entscheidungen zu treffen oder zu äußern. Sie enthält Ihren Willen für konkrete Lebens- und Behandlungssituationen. Die Angaben in der Patientenverfügung sind für alle behandelnden Ärzte sowie Ihre Angehörigen verbindlich und müssen in Ihrem Sinne umgesetzt werden.

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Die gesetzliche Erbfolge

Die gesetzliche Erbfolge ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt und bestimmt die Aufteilung des Nachlasses unter Ihren Verwandten und Ihrem Ehepartner. Sie gilt, sofern keine Verfügung von Todes wegen vorliegt. Dies kann zum Beispiel ein Testament oder ein Erbvertrag sein. Erfahren Sie mehr über die gesetzlichen Bestimmungen beim Erbrecht und bei der Erbreihenfolge.

Die gesetzliche Erbfolge

Regelungen zur Erbschaft kennen

Machen Sie sich rechtzeitig darüber Gedanken, ob die gesetzliche Erbfolge Ihren Wünschen entspricht oder ob Sie die Aufteilung Ihres Vermögens abweichend von den gesetzlichen Bestimmungen regeln möchten. Um diese Entscheidung treffen zu können, sollten Sie wissen, welche Personen im Todesfall rechtlich in Ihre Fußstapfen treten.

Wer in die gesetzliche Erbfolge fällt

Wenn die Verteilung des eigenen Vermögens nicht zu Lebzeiten in einem Testament oder Erbvertrag geregelt wurde, wird es nach den gesetzlichen Bestimmungen unter dem Ehegatten und den Verwandten verteilt. Zu den Verwandten zählen Personen, die gemeinsame Eltern, Großeltern, Urgroßeltern oder entferntere gemeinsame Vorfahren haben. Verschwägerte Personen sind von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Adoptivkinder werden wie leibliche Kinder behandelt, da die Adoption ein gesetzliches Verwandtschaftsverhältnis aufbaut. Partner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft sind den Ehepartnern im deutschen Erbrecht gleichgestellt.

Die rechtliche Ordnung bei der Erbfolge

Die Hinterbliebenen und Verwandten sind nicht alle gleichermaßen erbberechtigt. Das deutsche Erbrecht sieht Unterschiede in der Ordnung der Erben vor. So wird der Erblasser in erster Linie von seinen Abkömmlingen wie Kindern oder Enkelkindern (Erben erster Ordnung) beerbt. Sofern Erben der ersten Ordnung vorhanden sind, erhalten diese das gesamte Vermögen zu gleichen Teilen. Und auch innerhalb der ersten Ordnung erhalten Enkel oder Urenkel nur etwas vom Erbe, wenn ihre Eltern das Erbe nicht antreten oder selbst verstorben sind.

Die Erben zweiter und dritter Ordnung

Zu den Erben der zweiten Ordnung gehören die Eltern und Geschwister des Verstorbenen sowie deren Kinder und Kindeskinder. Auch hier wird auf die rechtliche Reihenfolge geachtet. Erben der zweiten Ordnung können nur am Erbe teilhaben, wenn es keine Verwandten erster Ordnung gibt. Die Erben der dritten Ordnung sind Großeltern sowie deren Kinder und Kindeskinder -  also Tanten, Onkel, Cousinen oder Cousins.

Der Ehepartner bzw. die eingetragene Lebenspartnerschaft

Der Ehepartner oder der Lebenspartner des Verstorbenen ist zu einem Viertel neben den Abkömmlingen erbberechtigt und zur Hälfte neben den Erben zweiter Ordnung. Wer im Güterstand der Zugewinngemeinschaft lebte, bei dem erhöht sich dieser Erbteil um ein Viertel. Die Zugewinngemeinschaft greift immer dann, wenn keine andere Gütergemeinschaft in einem Ehevertrag vereinbart wurde.

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Erbschaftssteuer – Das Finanzamt mischt beim Erbe mit

Neben den gesetzlichen und testamentarischen Erben hat auch das Finanzamt häufig ein Interesse an einem Erbe. Wer in welcher Höhe Erbschaftssteuern zahlen muss und welche Steuerfreibeträge es gibt, erfahren Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Verwandtschaftsgrad Steuerklasse Steuerfreibetrag
Ehepartner I
500.000 EUR
Eingetragene Lebenspartnerschaft I
500.000 EUR
Kinder, Stiefkinder, Adoptivkinder und Enkel, deren Eltern verstorben sind
I 400.000 EUR
Enkelkinder I 200.000 EUR
Eltern und Großeltern bei Erbschaft wegen Todes I 100.000 EUR
Eltern und Großeltern bei Schenkung II   20.000 EUR
Geschwister, Geschwisterkinder, Stief- und Schwiegereltern, Schwiegerkinder II   20.000 EUR
Geschiedene Ehepartner II   20.000 EUR
Alle weiteren Personen III

  20.000 EUR

 

Quelle: Broschüre "Erben und Vererben" des Bundesministeriums der Justiz

Steuerpflicht bei Erbschaft

Zuwendungen aus einer Erbschaft unterliegen der Erbschaftssteuer. Diese richtet sich nach dem Verwandtschaftsgrad zum Erblasser und nach den Steuerklassen I, II und III, die abhängig vom Verwandtschaftsgrad sind. Weitere Kriterien sind die steuerlichen Freibeträge sowie der Wert des Erbes. Das Finanzamt erfährt in der Regel vom zuständigen Nachlassgericht von der Erbschaft. Aber auch Banken obliegen einer Meldepflicht gegenüber dem Finanzamt, wenn sie von einem Sterbefall erfahren. Die gesetzlich festgelegten Steuerfreibeträge richten sich ebenfalls nach dem Verwandtschaftsverhältnis zum Verstorbenen. Die genauen Freibeträge entnehmen Sie der oben abgebildeten Tabelle.

Die unterschiedlichen Steuerklassen bei der Erbschaftssteuer

Bei der Erbschaftssteuer gibt es drei Steuerklassen. Die Steuerklasse I gilt für Ehepartner, eingetragene Lebenspartnerschaften, Kinder und alle weiteren Abkömmlinge. Ebenfalls dazu gehören die Eltern und Großeltern, sofern Sie aufgrund eines Todesfalls erben. Die Steuerklasse I ist auch die günstigste Steuerklasse. In die Steuerklasse II fallen Stiefeltern und Schwiegereltern sowie Geschwister und Geschwisterkinder, aber auch geschiedene Ehepartner. Alle übrigen Erben haben die Steuerklasse III. Dazu zählen unter anderem auch nicht eheliche Partner, Cousinen, Cousins oder Freunde des Erblassers.

Steuerliche Bewertung des Vermögens

Die Steuerfreibeträge dürfen für einen Zeitraum von 10 Jahren nur einmal in Anspruch genommen werden. Um dies zu gewährleisten, rechnet das Finanzamt alle Schenkungen der letzten 10 Jahre, die ein Erbe vom Erblasser erhalten hat, zu seinem Teil der Erbschaft hinzu. Die entrichtete Schenkungssteuer wird dabei ebenfalls berücksichtigt. Die Bewertung des Erbvermögens orientiert sich am Verkehrswert. Dementsprechend erfolgt auch die steuerliche Bewertung des gesamten Erbvermögens anhand der ermittelten Verkehrswerte.

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Checkliste: Testament schreiben

Nehmen Sie die Verwaltung Ihres Nachlasses selbst in die Hand. Sie können bestimmen, wer nach Ihrem Tod Ihr Vermögen erhält. Auf diese Weise können Sie auch einem Streit um den Nachlass entgegenwirken. Zudem können Sie mit einem Testament die Versorgung bestimmter Personen, wie dem Ehepartner, sicherstellen. Das Gesetz kennt das private (eigenhändig geschriebene) und das öffentliche Testament (über den Notar).

Checkliste: Testament schreiben

  • Verfassen Sie Ihr Testament vom ersten bis zum letzten Wort handschriftlich.
  • Unterschreiben Sie eigenhändig mit Vor- und Nachnamen.
  • Vergessen Sie nicht, das Datum zu erfassen.
  • Personen im Testament müssen klar identifizierbar sein und sollten dazu namentlich erwähnt werden.
  • Formulieren Sie unmissverständlich, wer wie viel oder wer was erhalten soll.
  • Informieren Sie eine Person Ihres Vertrauens darüber, dass ein Testament existiert und wo es aufbewahrt wird.
  • Nummerieren Sie die Seiten Ihres Testaments durch, wenn es mehrere Seiten hat.
  • Als Verfasser eines handschriftlichen Testaments müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein.

Testament vs. gesetzliche Erbfolge

Ein Testament geht der gesetzlichen Erbfolge immer vor. Im Gegensatz zur gesetzlichen Erbregelung bietet ein Testament vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.

Vorteile eines Testaments

  • Sie bestimmen, wer von den Erben welchen Bruchteil des Nachlasses erhalten soll.
  • Sie können eine Vor- und Nacherbfolge anordnen, d.h. jemand wird erst dann Erbe, nachdem zunächst ein anderer Erbe geworden ist.
  • Sie können die Zuwendung einzelner Vermögenswerte festlegen.
  • Sie können mittels einer Teilungsanordnung beeinflussen, welcher Erbe welchen Teil des Nachlasses erhält.
  • Es ist möglich zu bestimmen, dass ein Testamentsvollstrecker die Ausführung Ihres letzten Willens überwachen soll.

Das private Testament

Wer ein privates Testament verfassen möchte, muss gewisse Formvorschriften einhalten, damit es wirksam ist. Sie müssen Ihr Testament vollständig handschriftlich verfassen und mit Ihrem Vor- und Nachnamen unterschreiben. Als Verfasser müssen Sie mindestens 18 Jahre alt sein. Bei einem mehrseitigen Testament, sollten Sie die Seiten durchnummerieren. So stellen Sie sicher, dass sich die Unterschrift auf alle Seiten des Testaments bezieht.

Auf Gültigkeit des Testaments achten

Halten Sie das Datum und den Ort der Unterschrift im Testament fest, um die gültige Version erkennbar zu machen. Ein neues Testament hebt die Gültigkeit eines alten Testaments nämlich ganz oder teilweise auf. Achten Sie zudem darauf, die Erben in Ihrem Testament klar zu benennen und deutlich aufzuführen, wer wie viel oder wer was erhalten soll.

Das öffentliche Testament

Das öffentliche bzw. notarielle Testament wird mithilfe eines Notars erstellt, der Ihnen bei den Formulierungen Hilfestellung gibt. Sie können Ihren Willen mündlich vortragen oder Ihr selbst verfasstes schriftliches Testament einem Notar vorlegen. Im Gegensatz zum privaten Testament darf dieses Schreiben auch mit dem Computer erstellt werden. Die Gebühr ist abhängig vom Wert des Vermögens abzüglich der Verbindlichkeiten. Das öffentliche Testament wird amtlich verwahrt und nach Ihrem Tod den Erben eröffnet.

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Statistik zur Vorsorge der Deutschen in Form eines Testaments oder Erbvertrags

Jetzt an später denken. Lassen Sie sich zum Thema Erbschaft und Vermögensnachfolge bei Ihrer Volksbank Raiffeisenbank beraten.

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Die Inhalte dieser Seite können nur einen allgemeinen Überblick zum Thema geben und eine rechtskundige anwaltliche oder notarielle Beratung nicht ersetzen.

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