Rentenanspruch bei Scheidung

So funktioniert der Versorgungsausgleich

11. Oktober 2021

Rund ein Drittel aller Eheleute in Deutschland geht irgendwann getrennte Wege. Bei einer Scheidung ist es unumgänglich, die zusammen erarbeiteten Werte und Versorgungsanrechte zu teilen. Das gilt auch für Rentenansprüche. Sie gelten als gemeinsame Lebensleistung.

Regelfall: interne Teilung

Während der Ehe erwerben beide Partner Versorgungsanrechte. Das sind Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung oder der Beamtenversorgung – die sogenannten Rentenanwartschaften. Diese sind oft unterschiedlich hoch, da ein Partner meist mehr verdient als der andere oder die Erwerbstätigkeit für die Kindererziehung aussetzt. Im Fall einer Scheidung findet ein Versorgungsausgleich statt, meist in Form einer internen Teilung. Dabei geben beide Eheleute die Hälfte ihrer in der Ehezeit erworbenen Ansprüche an den anderen ab.

Automatische Verrechnung nach der gerichtlichen Entscheidung

Wenn beide Partner ihre Anrechte bei demselben Versorgungsträger erworben haben, bedeutet das, dass dieser die erworbenen und abzugebenden Ansprüche gegeneinander verrechnet. Er überträgt dann nach der Scheidung den Ausgleichswert vom Rentenkonto des ausgleichspflichtigen Partners auf das Rentenkonto des ausgleichsberechtigten.

Entscheidend ist die Ehezeit

Die Ehezeit ist die Zeitspanne, die für den Versorgungsausgleich relevant ist. Alle Anwartschaften, die einer der Ehepartner davor oder danach erworben hat, bleiben unberührt. Die Ehezeit beginnt mit dem Monat der Eheschließung. Der Stichtag für das Ende ist der letzte Tag des Monats vor dem Monat, in dem der Scheidungsantrag dem Gericht zugestellt wird. Beispiel: Die Eheschließung war am 10. Mai 2010. Damit beginnt die Ehezeit am 1. Mai 2010. Der Scheidungsantrag ging am 13. Juli 2020 beim Gericht ein. Damit endete die Ehezeit am 30. Juni 2020.

Betroffene Anwartschaften

Vom Versorgungsausgleich betroffen sind nicht nur die Anwartschaften der gesetzlichen Rentenversicherung in Form von Entgeltpunkten auf dem Rentenkonto. Hinzu kommen gegebenenfalls beamtenrechtliche Versorgungsansprüche oder auch berufsständische Versorgungen – zum Beispiel für Ärzte oder Rechtsanwälte. Unter anderem können auch Ansprüche aus einer privaten Rentenversicherung, einer Riester-Rente oder einer betrieblichen Altersvorsorge in den Versorgungsausgleich einfließen.

Vereinfachte Beispielrechnung zum Versorgungsausgleich

Im folgenden Beispiel werden die in der Ehezeit erworbenen Ansprüche beider Partner miteinander verrechnet:

Eheleute

Anrecht aus gesetzl. Rentenversicherung

Anrecht aus privater Rentenversicherung
Abzugebender Anteil an den Partner
Eigene Gesamtversorgung durch Ausgleich
Partner A
600 EUR 350 EUR 475 EUR
800 EUR
Partner B 400 EUR 250 EUR 325 EUR
800 EUR

Ermittlung der notwendigen Angaben

Das zuständige Familiengericht entscheidet im Scheidungsverfahren über den Versorgungsausgleich. Ein gesonderter Antrag ist hierfür im Regelfall nicht notwendig. Die Eheleute müssen für den Rentenausgleich alle notwendigen Angaben beim Gericht machen. Dieses fordert daraufhin die benötigten Unterlagen bei den Versorgungsträgern an. Auch die Eheleute erhalten die Unterlagen. So können sie alle Angaben auf Richtigkeit prüfen. Dies sollten sie im Zweifelsfall einem Versicherungsmathematiker oder Rechtsanwalt überlassen, damit sie zutreffend über Ihre Altersversorgung informiert sind.

Ausnahme: kein Versorgungsausgleich

Nicht immer kommt es bei einer Scheidung zum Versorgungsausgleich. Betrug die Ehezeit zum Beispiel drei Jahre oder weniger, ist ein Antrag eines Ehegatten dafür notwendig. Zudem können die Eheleute in einem Ehevertrag oder einer Scheidungsfolgevereinbarung festhalten, dass sie auf einen Versorgungsausgleich ganz oder teilweise verzichten. Das Familiengericht kann grundsätzlich auch von einem Ausgleich absehen, wenn die jeweiligen Anrechte der Partner überwiegend gleichwertig sind. Um zu erfahren, welche Gegebenheiten und Ausnahmen zutreffen, ist es empfehlenswert, sich vorab von einem Fachanwalt beraten zu lassen.

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Hinweis auf Beratung: Dieser Artikel gibt nur Anregungen sowie kurze Hinweise und erhebt damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen können eine persönliche und fachkundige Beratung etwa durch die Rentenkasse oder einen Fachanwalt nicht ersetzen.